crossieblog

Radeln im Schnee

| 1 Kommentar

Seit ich irgendwann mal mit dem Rad im Schnee unterwegs war freue ich mich jedes Jahr erneut auf die Wintersaison. Am Rad bedarf es nur wenige Veränderungen. Statt der Steckschutzbleche wechsel ich auf feste Schutzbleche von SKS, da diese das Vorder- und Hinterrad besser abdecken und wirklich nichts herumgeschleudert werden kann (und weil diese Schnee-Salz-Matsch nicht meine Schaltung direkt trifft). Die Bereifung bleibt die gleiche. Obwohl ich schon darüber nachgedacht hatte für den Winter auf Spikes mit eigenem Laufradsatz zu wechseln. Mit Markus hatte ich mich darüber mal unterhalten. Bis jetzt – touch wood – haben mich die Schwalbe Marathon Cross Reifen (mit etwas weniger Luftdruck) immer gut durch den Winter gebracht. Ich glaube ich fahre sie jetzt das dritte Jahr. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wahrscheinlich bleiben sie nach diesem Winter „Schöne-Saison-Reifen“ und dann gibt’s im nächsten Winter wirklich die Spikes! Ich fahre meine Reifen derzeit deshalb mit weniger Luftdruck im Schnee, damit das ganze Reifenprofil auf die Straße gedrückt wird. Der Grip ist deutlich besser dadurch.
Hier und da treffe ich auf das Unverständnis meiner Mitmenschen, „warum zur Hölle“ ich bei so einem Wetter mit dem Rad unterwegs bin. Beziehungsweise gezielt bei diesem Schneetreiben mich auf das Rad schwinge und durch die Stadt fahre.

Ich fahre bei jedem Wetter. Es gibt wirklich kein Wetter bei dem ich hier noch nicht gefahren wäre.
Das schöne am Winter mit dem Rad ist für mich diese Art „Grenzerfahrung“ verbunden mit diesem Extra an Reaktionstraining. Außerdem lasse ich mir vom Wetter nicht vorschreiben, wann ich zu fahren habe und wann nicht. Im Sommer kannst du radeln und musst dich nicht 100%ig auf das Fahren konzentrieren. Aber im Winter, im Schnee und auf Eis, da müssen wirklich alle Sinne beisammen sein. Man muss hören ob und wo Verkehrsteilnehmer um dich herum sind und du musst spüren, wie sich dein Rad auf dem Untergrund verhält. Ob es rutscht oder ob es dahin fährt, wo du willst. Denn sollte das Rad auch nur eine falsche Bewegung machen, die kritisch ist und zum Sturz führen könnte, muss man in Sekundenbruchteilen reagieren und ausbalancieren oder gegensteuern. Sollte ein Sturz unvermeidbar sein, dann muss man sich eben genauso schnell darauf einstellen und die Landung abfangen – in Hoffnung, dass kein Autofahrer in der Nähe ist, dass zu spät reagieren könnte.

Ich mag es einfach, wenn ich durch anständig fahrbaren Schnee radel und es unter meinen Reifen knackt und ich nur das „Reifen-auf-Schnee“-Surren höre. Und dann fährst du durch unberührte Landschaft, wo keine Menschenseele ist. Die Umgebung wird erhellt durch den Scheinwerfer und man bahnt sich seinen Weg durch die weiße Pracht und lässt sich überraschen was noch so an Winter-Wunderzeug kommen mag. Man weiß ja nie, ob man in 100 Metern noch genauso gut voran kommt oder nicht. Vielleicht muss man schleichen, vielleicht muss man schieben.
Bei all den Tücken, die der Winter ja auch hat, möchte ich auf das Snowbiken nicht mehr verzichten.

Derzeit hoffe ich nur darauf, dass die buchstäblichen „Altlasten“ einfach mal wegtauen, damit frischer Neuschnee herabfallen kann. Denn mit vereisten und verkrusteten „Mondlandschaften“ macht es dann doch nicht soooo viel Spaß 😉

Zum Schluss noch, was ich mir noch wünschen würde in Essen: Dass Radwege genauso geräumt werden, wie Autospuren. Und so lange, wie das nicht passiert, fahre ich eben – wenn nötig – auf der Autospur und lass mich von irgendwelchen Autofahrern anmotzen, die sogar noch ihr Fenster herunterkurbeln um ihren Senf abzulassen. Hauptsache ich komme voran. Denn ich bin auch Verkehrsteilnehmer – ob ich mit dem Auto fahre oder eben mit dem Rad.

Hier noch ein schöner Link zum Radeln in Kopenhagen, Dänemark: www.copenhagenize.com Selbst bei Schneetreiben sind rund 80% der Kopenhagener auf dem Rad unterwegs. Für etwas was dort normal ist, wird man hier oft doof angeschaut 🙂 Allerdings sind die Räumverhältnisse dort ja gaaaaanz andere. Da liegen Welten zwischen.

Ein Kommentar

  1. Auf den Punkt 🙂

    Derzeit bin ich ja leider etwas gehandicaped da mein wintertaugliches Bike noch in Maastricht steht. Auch fahre ich da nur die normalen Marathons drauf aber gegenüber der Sommerbereifung mit 25er Durano Plus schonmal ein riesiger Unterschied.
    Und ja – die Spikes kommen 2011! Ich lasse mich nicht noch ein mal von der Vorhersage das es einen milden Winter geben soll einlullen.

    Was das Räumen von Radwegen anbelangt. Das hat vor wie auch Nachteile. Die Niederländer räumen. Konnte ich mcih letztes Jahr mehrfach von überzeugen als ich hinter einem Radwegeräumfahrzeug her gefahren bin. Zu über 90% sind die Radwege danach auch sauber. Nur die 10% sind die gefährlichen Stellen. Da bilden sich dann Eisplatten. Also nochmal ein Grund mehr auf Spikes um zu stellen 😉
    Dieses Jahr wurde in Maastricht kaum mehr geräumt. Und fest gefahrener Schnee ist mir dann auch lieber. Was mal gar nicht geht ist das Räumverhalten der Belgier. Die schieben einfach den Schneematsch von der Straße auf den sich unmittelbar anschließenden und nur durch eine Markierung abgetrennten Radweg und fertig. Ergebnis?! Man fährt auf knubbeligem Eis. Kein wirklich schöner Untergrund.

    Bis zur nächsten gemeinsamen Tour
    Markus

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.